THC-Gehalte von Cannabisblüten auf der Mary Jane Berlin 2026 – Eine Querschnittsanalyse von 534 Blütenproben

Matthias Rohm, Patricia Moser, Christian Fuczik
Institut für Hanfanalytik / Christian Fuczik - Chemisches Labor GmbH, Wien
Kontakt: info@hanfanalytik.at / www.hanfanalytik.at

1. Einführung

Mit der Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland hat das Interesse an der tatsächlichen Potenz von Cannabisblüten deutlich zugenommen. Während auf Verpackungen, in sozialen Medien oder durch informelle Angaben häufig THC-Gehalte kommuniziert werden, liegen nur begrenzte Daten zur tatsächlichen Zusammensetzung der von Konsumentinnen und Konsumenten verwendeten Blüten vor. Gleichzeitig sind THC-Gehalte ein wesentlicher Qualitäts- und Sicherheitsparameter, da sie maßgeblich die pharmakologische Wirkung und das Risikoprofil von Cannabisprodukten beeinflussen.

Die Fachmesse Mary Jane Berlin 2026 mit über 70.000 Besucherinnen und Besuchern sowie mehreren hundert Ausstellern vereint KonsumentInnen, ProduzentInnen, HändlerInnen und Fachleute aus der gesamten Cannabisbranche. Die Veranstaltung bietet daher eine einzigartige Gelegenheit, ein breites Spektrum an realen Konsumentenproben zu erfassen und deren CBD- und THC-Gehalte zu untersuchen. [1]

2. Hintergrund & Ziel der Studie

Die analytische Bestimmung von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) spielt eine zentrale Rolle bei der Qualitätskontrolle von Cannabisprodukten. Trotz zunehmender Marktregulierung bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede zwischen Sorten, Chargen und Herkunftsländern. Eigene Untersuchungen haben gezeigt, dass die tatsächlichen THC-Gehalte häufig von den angegebenen Werten abweichen können. Unabhängige Analysen leisten daher einen wichtigen Beitrag zur Transparenz und zur Verbraucherinformation.

Im Rahmen der Mary Jane Berlin 2026 wurden Cannabisblüten von MessebesucherInnen mittels NIR-Spektrometrie vor Ort untersucht [2]. Ziel dieser Querschnittsanalyse war es, THC- und CBD-Gehalte in den eingereichten Cannabisblütenproben zu erfassen und einen Überblick über die tatsächliche Potenz der auf dem Markt verfügbaren Cannabisblüten zu gewinnen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, aktuelle Markttrends besser zu verstehen und die Bedeutung analytischer Qualitätskontrollen im legalen Cannabismarkt zu verdeutlichen.

3. Methode

Die Vor-Ort-Analysen wurden mithilfe eines Nahinfrarot-Spektrometers (NIR) durchgeführt. Die verwendete NIR-Methode basiert auf einem chemometrischen Vorhersagemodell, das anhand einer umfangreichen Referenzdatenbank chromatographisch charakterisierter Cannabisproben entwickelt und validiert wurde [3]. Die Bestimmungsgrenze (LOQ) des verwendeten NIR-Modells betrug 1 % für alle Cannabinoide. Konzentrationen unterhalb dieses Wertes wurden nicht quantitativ ausgewertet.

Zu jeder eingereichten Cannabisblütenprobe wurden zunächst die verfügbaren Informationen zur Sorte erfasst. Anschließend wurde die Probe fotografisch dokumentiert. Zur Gewährleistung einer möglichst homogenen Probenmatrix wurden die Cannabisblüten mit einem Metall-Grinder homogenisiert. Das Homogenisat wurde in ein Aluminium-Wägeschälchen überführt und anschließend dreifach mittels NIR-Spektroskopie vermessen. Für die weitere Auswertung wurden die Mittelwerte der drei Einzelmessungen herangezogen.

Während des gesamten Analyseprozesses verblieben die Proben im Besitz der jeweiligen Teilnehmenden. Nach Abschluss der Messung konnten die Teilnehmenden das Homogenisat in einen zur Mitnahme bereitgestellten Transportbeutel überführen. Dadurch konnte sichergestellt werden, dass zu keinem Zeitpunkt eine Probenübernahme oder -aufbewahrung durch die Untersuchenden erfolgte.

4. Verwendete Materialien

  • MicroNIR: Tragbares NIR-Spektrometer (NIRLAB AG, Orsières, Schweiz)
  • Chemometrisches Datenmodell: Cannabis Version 26 (NIRLAB AG, Orsières, Schweiz)
  • USB-Webcam zur Fotodokumentation: Angetube 60FPS 1080P Webcam (Angetube, Shenzhen, China)
  • Aluminium-Grinder, Ø 40 mm: (NV Grinders, Au am Leithaberge, Österreich)
  • Aluminium-Wägeschälchen, Ø 57 mm: (VWR International GmbH, Wien, Österreich)
NIRLab NIR-Spektrometer

Abb. 1: NIRLab NIR-Spektrometer

Probe in Wägeschälchen

Abb. 2: Probe in Aluminium-Wägeschälchen

5. Limitationen der Studie

Die Stichprobe basiert auf einer freiwilligen Probenabgabe von Messebesucherinnen und Messebesuchern und ist daher nicht repräsentativ für den gesamten deutschen Cannabismarkt. Die Zuordnung der Sortennamen erfolgte anhand der Angaben der Teilnehmenden und wurde analytisch nicht überprüft.

6. Ergebnisse

Insgesamt wurden 534 Cannabisblütenproben analysiert. Diese wurden nach CBD- und THC-Gehalt wie folgt kategorisiert:

  • 13 CBD-dominante Proben (CBD-Gehalt > 1 % und THC-Gehalt < 1 %)
  • 5 CBD-THC-Hybridproben (CBD- und THC-Gehalt > 1 %)
  • 516 THC-dominante Proben (CBD-Gehalt < 1 % und THC-Gehalt > 1 %)

Die untersuchten CBD-dominanten Proben wiesen einen medianen CBD-Gehalt von 10,9 % auf. Die gemessenen Konzentrationen reichten von 4,5 % bis 16,6 % CBD. Die CBD- und THC-Konzentrationen der untersuchten CBD-THC-Hybride sind in Abbildung 3 dargestellt.

Abb. 3: Cannabinoidgehalte der Hybridsorten

Abb. 3: Cannabinoidgehalte der Hybridsorten

Die untersuchten THC-dominanten Proben wiesen einen medianen THC-Gehalt von 17,4 % auf. Die gemessenen THC-Konzentrationen reichten von 5,9 % bis 25,7 %. Damit liegen die untersuchten THC-dominanten Cannabisblütenproben im Bereich moderner, hochpotenter Cannabisblüten, wie sie in Europa zunehmend beobachtet werden. [4]

Häufigkeitsverteilung der THC-Gehalte

Abb. 4: Häufigkeitsverteilung der THC-Gehalte in den THC-dominanten Proben

NIR-Signatur

Abb. 5: NIR-Signatur einer THC-dominanten Cannabisblütenprobe nach Standard-Normal-Variate-(SNV)-Vorbehandlung. Aus den charakteristischen spektralen Merkmalen werden mittels validiertem chemometrischen Vorhersagemodell die Cannabinoidgehalte bestimmt.

Analysenergebnis – Serverabruf

Abb. 6: Analysenergebnis – Abrufbar vom Hanfanalytik-Server

7. Diskussion

Frühere europäische Untersuchungen berichten für Cannabisblüten ("herbal cannabis") durchschnittliche THC-Gehalte von etwa 7–13 %, wobei in den letzten Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Potenz festgestellt wurde. Insbesondere bei intensiv selektierten Indoor-Sorten werden heute regelmäßig THC-Gehalte von über 20 % erreicht. [5]

Der ermittelte Median von 17,4 % THC liegt über den früher berichteten europäischen Durchschnittswerten (7–13 %) und steht in Einklang mit dem in Europa beobachteten langfristigen Trend zu potenteren Cannabisblüten [6]. Gleichzeitig zeigt das Fehlen von Proben mit extrem hohen THC-Gehalten von über 30 % eine deutliche Abgrenzung gegenüber Konzentraten oder speziell gezüchteten Hochleistungssorten, die vereinzelt auf dem Markt auftreten.

Die Ergebnisse zeigen, dass die von den Messebesucherinnen und Messebesuchern eingereichten Cannabisblüten hinsichtlich ihres THC-Gehalts überwiegend dem derzeitigen Qualitäts- und Potenzniveau des legalen bzw. semi-regulierten europäischen Cannabismarktes entsprechen. Aufgrund der freiwilligen Probenabgabe auf einer Fachmesse ist die Stichprobe jedoch nicht repräsentativ für den gesamten deutschen Cannabismarkt. Die Daten liefern dennoch einen wertvollen Einblick in die tatsächlichen THC-Gehalte von Cannabisblüten, die 2026 in Deutschland konsumiert werden.

8. Zusammenfassung

  • 📊 534 Cannabisblüten analysiert (516 THC-dominante Blüten, 13 CBD-dominante Blüten und 5 CBD-THC-Hybridblüten)
  • 🔬 Vor-Ort-Analyse mittels NIR-Spektrometrie
  • 🧪 Datenerhebung auf der Mary Jane Berlin 2026
  • 🌿 Ermittelter medianer THC-Gehalt: 17,4 %
  • 📈 THC-Bereich: 5,9–25,7 %

9. Danksagung

Wir bedanken uns bei Hybrid Supreme Filters für den Platz auf ihrem Messestand, die Unterstützung und die freundliche Aufnahme während der Mary Jane Berlin 2026.

10. Referenzen

  • [1] Mary Jane Berlin. Offizielle Website. Verfügbar unter https://maryjane-berlin.com/ 2026
  • [2] Rafiq H, Hartung J, Schober T, Vogt MM, Carrera DÁ, Ruckle M, Graeff-Hönninger S. Non-destructive near-infrared technology for efficient cannabinoid analysis in cannabis inflorescences. Plants. 2024;13(6):833. doi:10.3390/plants13060833.
  • [3] Sánchez-Carnerero V, Fernández Pierna JA, Vermeulen P, Dardenne P, Baeten V. Handheld near infrared spectroscopy for cannabis analysis: from the analytical problem to the chemometric solution. Front Plant Sci. 2025;16:1682354. doi:10.3389/fpls.2025.1682354.
  • [4] European Union Drugs Agency. European Drug Report 2026: Cannabis. Lisbon: EUDA; 2026. Available from: https://www.euda.europa.eu/publications/european-drug-report/2026/cannabis_en
  • [5] Freeman TP, Groshkova T, Cunningham A, Sedefov R, Griffiths P, Lynskey MT. Increasing potency and price of cannabis in Europe, 2006–16. Addiction. 2019;114(6):1015-1023. doi:10.1111/add.14525.
  • [6] Manthey J, Freeman TP, Kilian C, López-Pelayo H, Rehm J. Public health monitoring of cannabis use in Europe: prevalence of use, cannabis potency, and treatment rates. Lancet Reg Health Eur. 2023;31:100667. doi:10.1016/j.lanepe.2023.100667.